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Virtuelle Hexenjagd – Übers Ziel hinausgeschossen?
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Geocaching - Am Rande
Geschrieben von: DasLangeSuchen   
Mittwoch, den 15. Dezember 2010 um 23:36 Uhr

Durch einen Artikel bei JR bin ich auf den Thread im Grünen Forum aufmerksam geworden, der wie folgt startete:

 

Hallo!

Gibt es ausser mir noch weitere Betroffene?

Habe heute ne Abmahnung vom Anwalt eines Geocaching Shops (nicht vom geocachingshop!) erhalten. Mir wird gewerblicher Handel mit Coins unterstellt. Streitwert wurde mit 15000 Euro angegeben und ich soll die Kosten der Abmahnung von 755 Euro zahlen.

 

Dabei habe ich nur einen Teil meiner restlichen GeoFaex-Coins aus 2006 angeboten weil die Bucht grade ne Gebührenfrei-Aktion hatte und ich dringend Geld für ne Krebs-Operation für meinen Hund brauche [...]

Der daraus resultierende Thread entwickelte innerhalb der letzten 5 Tage eine fast schon unheimliche Dynamik (240 Beiträge, über 12.500 Views), welche weit über das Forum hinaus hohe Wellen geschlagen hat. Es reichte von einer unglaublichen Hilfsbereitschaft für das Tier, über mehr oder weniger sachliche Lösungsansätze bis hin zu Hasstiraden und Boykottaufrufen gegenüber dem Webshop.

 

Glücklicherweise gab es dort inzwischen ein Happy End.

In den letzten Tagen habe ich den Thread verfolgt und konnte irgendwie beide Parteien verstehen.

Auf die Sichtweise kommt es an

Auf der einen Seite steht ein Geocacher, der aus der Not heraus einige sehr attraktive Geocoins auf Ebay verkauft. Darüber hinaus verkauft er noch ein paar weitere Waren innerhalb eines kurzen Zeitfensters. Da einige Auktionen ohne Gebot abgeschlossen werden, werden die nicht verkauften Waren umgehend wieder erneut eingestellt. Unglücklicher Weise lautet der Ebay-Name ähnlich wie der abmahnende Webshop.

Auf der anderen Seite steht ein Shopbetreiber eines Webshops, der sieht, dass ein mutmaßlicher Mitbewerber aktiv geworden ist und innerhalb kurzer Zeit eine Reihe an Waren anbietet, die zum Teil auch das eigene Produktspektrum tangieren. Auf Grund der hohen Anzahl an Auktionen wird eine gewerbliches Angebot vermutet, dass sich als Privatverkauf tarnt, um die Pflichten in Bezug auf Wiederrufsrecht und Gewährleistung zu unterlaufen und damit eine höhere Gewinnspanne zu erzielen. Und das unter einem Anbieternamen, welcher dem des Webshops zum Verwechseln ähnlich ist.

Shopbetreiber über das Ziel hinausgeschossen?

Über die Wahl der Waffen seitens des Webshops lässt sich sicherlich streiten, ist aber durchaus nachvollziehbar. Vielleicht wäre zunächst eine Email ohne Rechtsbeistand sinnvoller und zielführender gewesen, vielleicht wäre aber auch die Abmahnung durch einen Rechtsanwalt der richtige erste Schritt gewesen, wenn es sich tatsächlich um gewerblichen Handel gehandelt hätte.

Vorverurteilung und Hexenjagd

Neben Berichten über den Thread und die Sachlage in diversen Blogs hat es diesmal eine regelrechte Hexenjagd auf den betreffenden Webshop gegeben. Ohne abzuwarten, welchen Ausgang die Abmahnung für den verkaufenden Cacher haben wird, wurde eine gegen den Webshop gerichtete SEO-Kampagne gestartet.

 

geop_aufruf

Initiiert von einem Blog sollten weitere Blogger mit bestimmten Keywords auf eine bestimmte Seite verlinken. Mit entsprechenden Suchmaschinenoptimierung durch häufige Verlinkung erreicht man eine entsprechend gute Platzierung bei den gängigen Suchmaschinen.

geop_google

Inzwischen wurde der entsprechende Aufruf revidiert, aber noch sind die Auswirkungen in den Suchmaschinen zu sehen.

Bei allem Verständnis für die Sympathie gegenüber dem Abmahnopfer, ist man - meiner persönlcihen Meinung nach - an einigen Stellen mindestens genauso über das Ziel hinausgeschossen, wie der Webshopbetreiber.

Um es noch einmal zu betonen: Es hat inzwischen ein Happy End gegeben!

Kommentare (11)
  • meinschatz71  - Sachlichkeit und Empathie
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    Hallo!
    Zunächst einmal finde ich, dass Du den Sachverhalt sehr gut dargestellt hast. Auch ich konnte über diverse Kanäle das Interesse zum Thema mitbekommen.
    Es zeigt, sich, dass Vernetzung in unser GC-Gemeinde schnell funktioniert, ich wünsche mir, dass dies genau so bei der sachlichen Gegendarstellung bzw. des "Friedensabkommens" läuft. Und am Rande.... Fehler zugeben finde ich gross, denn schliesslich sind wir alle Menschen!

    meinschatz71

  • uwe  - DANKE
    avatar

    eine faire Zusammenfassung die glaubich gut darstellt das BEIDE Seiten übers Ziel hinaus geschossen sind... Nun gut über die Spendengala mag man streiten aber das bleibt ja jedem selber überlassen.....

  • Clownfisch
    avatar

    Wenn es unberechtigte oder unangebrachte Abmahnungen ohne Vorwarnung gibt, schießt die Bloggerszene immer Vollgas zurück. Das mussten schon große Firmen wie Jack Wolfskin oder auch der DOSB lernen. Man muss sich eben vorher über Konsequenzen klar werden, die können einen leicht mal überrollen.

    In diesem Fall hätte man aber vorher schon mit einem solchen Ergebnis rechnen können. Mit seinem Kniefall hat der Shopbetreiber grad noch die Kurve bekommen. Noch ein Tag oder zwei länger und er hätte seinen Laden zusperren können. Spüren wird er den Umsatzrückgang trotzdem und das auch zurecht.

    Was übrig bleibt ist die Frage, ob der Shopbetreiber sowas schon öfter gemacht hat, nur eben vielleicht nicht bei Cachern, sondern anderne Verkäufern. Ohne ihm etwas unterstellen zu wollen, das Geschäftsmodell Abmahnung gibt es öfter mal.

    Nachdem gestern öffentlich wurde, dass die Abmahnung zurückgezogen wird, war bei mir gleich ein Copy+Paste Troll unterwegs, der dem Shop wohl sehr nahe steht. Allerdings hat der unter falschem Namen und gefälschter mailadresse so einen Müll kommentiert, dass ich mal lieber Aksimet bemüht habe.

  • Geohacker  - Aufklärung, nicht Hexenjagd!
    avatar

    Hexenjagd...soso?!
    Ich würde mal vermuten der abmahnende Shop hat weniger aus humaner Einsicht, als vielmehr wegen des wirtschaftlichen Drucks durch die Bekanntmachung seines Vorgehens und die Reaktionen der Community eingelenkt. :roll:
    Diese Raubtierkapitalismusauswüchse innerhalb der Geocaching Szene öffentlich zu machen, war das absolut richtige Vorgehen. 8)


  • alex schweigert
    avatar

    Moin,

    ich bin mit dem letzten Teil Deines Beitrages nicht einverstanden aus folgendem Grund:

    "Vorverurteilung und Hexenjagd"

    ... "Ohne abzuwarten, welchen Ausgang die Abmahnung für den verkaufenden Cacher haben wird, wurde eine gegen den Webshop gerichtete SEO-Kampagne gestartet."

    Den Shopbetreiber hatte ich am Abend vorher angerufen und Gründe seiner Abmahnung und weitere ausreichende Informationen erhalten. Ich habe auch freundlich darauf hingewiesen, dass das sehr gefährlich sei, was er da gerade macht.

    Die andere Seite habe ich aus dem Forum. Die Beiträge dort habe ich studiert und ich konnte mir eine Meinung darüber bilden.

    Der Shopbetreiber hat danach noch einen (im Forum) draufgelegt. An dem Abend war völlig offen, ob er seine Entscheidung überdenkt.

    Grund der Kampagne war, den Shopbetreiber unter Druck zu setzen um ihn zu Bewegen seine "A" zurückzunehmen. Das böse "A" Wort ist in meinem Blog nicht gefallen und mein Artikel war völlig Bewertungslos.

    Obwohl mein Beitrag bei Suchmaschinen oben gelistet ist wird er nicht im Zusammenhang eines Negativen Zusammenhanges angesehen werden. Er richtet keinen Schaden an bei Kunden, die darüber stolpern.

    Von meiner Seite aus, war die Aktion ok und angemessen. Ich sehe weder eine Hexenjagd darin noch eine Vorverurteilung.

    Viele Grüße
    Alex

  • Clownfisch
    avatar

    Ich glaube auch, dass die Abmahnung ohne den Druck aus der Community nicht zurückgezogen worden wäre. Auch frühere Fälle ähnlichen Charakters haben das gezeigt. Ne, das hat schon so gepasst.

  • uwe
    avatar

    Ich finde diesen erpresserischen Druck aus der Community genauso daneben wie die Abmahnung an sich. Zusammenstehen ist das eine, Rufmord das andere. Der Shopbetreiber hätte alle Rechte gehabt dagegen vorzugehen. Wir haben einen Rechtsstaat der sich der Sache Abmahnung angenommen hätte, alles andere ist Selbstjustiz und die kann richtig gefährlich werden. Ganz davon ab wurde im Grünen Forum von einigen ganz schön unter die Gürtellinie getreten.... Nun gut, Ende gut alles gut

  • Clownfisch
    avatar

    Natürlich hätte der Shopbetreiber das Recht gehabt dagegen vorzugehen. Aber ich bin mir sicher, dass er vor Gericht in diesem Fall keine Chance gehabt hätte. Er wollte mit einer Abmahnung einschüchtern und hat wohl damit kalkuliert, dass sich die Gegenseite nicht die Gefahr eines Rechtsstreites aussetzt.

    Außerdem ist das keine Selbstjustiz. Das war eine Ausübung der Grundrechte unserer Demokratie: Die Presse- und die Meinungsfreiheit.

  • uwe
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    Beleidigung und Nötigung hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun...

  • Clownfisch
    avatar

    Das Verhalten von Forentrollen kommentiere ich nicht weiter, aber die entsprechenden Kommentare wurden ja zurecht eh gelöscht.

  • Clownfisch
    avatar

    In diesem Beitrag gings ja um die SEO-Kampagne.

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