Beim Cachen trifft man seltsame Leute

Normalerweise bin ich ja nur selten auf größeren Runden unterwegs, bei denen die Dosen durchnummeriert sind, aber gestern hat es sich einfach angeboten, mit dem Kinderwagen im Schlepptau ein paar Geocaches auf der alten Balkantrasse einzusammeln. Die Balkantrasse ist eine ehemalige Eisenbahntrasse zwischen Leverkusen Opladen und Remscheid-Lennep. Teile dieser Trasse sind inzwischen als asphaltierter Fuß- und Radweg ausgebaut, darunter auch das Teilstück zwischen Burscheid und Wermelskirchen, aber nicht mit dem PKW zu befahren.


Dort liegt aktuell eine Serie mit dem Namen „Trassenlogger“ mit aktuell 28 Caches verteilt auf etwa 12 km. Mit dem Kinderwagen bot sich die Wegführung einfach an, da nur mit sanften Steigungen zu rechnen war und sich auf dem befestigten Untergrund schnell Strecke machen ließ.

Letztendlich wurden es die Dosen #12, #13, #16, #17 und #18. Sie waren fair versteckt und schnell zu finden. Das der sonnige Herbsttag tat sein Übriges zur guten Laune.

Bis hierher ist es noch nicht viel, was einen eigenen Blogbeitrag rechtfertigen würde, auch wenn es eine nette Runde mit ein paar kleinen, unscheinbaren Relikten der vergangenen Nutzung am Wegesrand war.

Eine kuriose Begegnung kurz vor Ende

Kurz vor Ende sah ich in einiger Entfernung zwei ältere Herrschaften, die, beide mit Rollatoren ausgestattet, ca. 200m vor mir unsicher am Wegesrand standen. Mein GPS, unauffällig am Kinderwagen befestigt,  zeigte noch 190m, die Entfernung schrumpfte schnell. Noch 40m, noch 30m, noch 20m… Ich stand vor den beiden. Der männliche Part versuchte augenscheinlich einen ca. zwei Meter vom Weg stehenden Baum zu erreichen, war sich aber offensichtlich zu unsicher, was sein Gleichgewicht angeht, und traute sich daher wohl nicht so recht.

Freundlich fragte ich, ob ich helfen kann. Ich erntete erstaunte, aber verunsicherte Blicke. Ich dachte, die Location passt zwar, aber die beiden sind bestimmt keine Cacher, verhielten sich aber wie welche, die gerade bei der Suche überrascht worden waren. Zwei leicht errötete, faltige Gesichter schauten mich an.

„Wir wissen nicht genau…“, „…gehen häufiger hier vorbei…“, „immer wieder stehen hier…“, „…verschwinden ganz schnell wieder…“, „…wollen auch mal schauen…“

Aus einer ganzen Reihe an gestammelten Satzfetzen schloss ich, dass die beiden wohl häufiger hier spazieren gehen, und immer wieder mal Geocacher an dieser Stelle beobachten, die ihre Neugierde geweckt haben. Aber da sich die „Leute“ immer mit dem Baum am Wegesrand beschäftigen, liegt das Ziel in für sie nahezu unerreichbarer Entfernung, da die letzten beiden Meter arg uneben sind.

Ich beschloss, Ihren Wissensdurst zu befriedigen, ohne, dass sie sich in Gefahr begeben müssten. Kurz erklärt, dass es sich um „eine Art Schnitzeljagt“ handelt, bei der bestimmte Punkte aufgesucht werden müssen. Zwei Schritte, ein Griff und ich hielt eine Filmdose in der Hand.

Fassungsloses Kopfschütteln

Ungläubig schauten die beiden mich an. „Sind Sie auch einer von denen?“ Ich öffnete die Dose und rollte den zum Vorschein kommenden Logzettel aus. „Dafür laufen Sie extra hier raus?“ Beides bejahte ich.

Wärend ich mich darauf eintrug, verabschiedeten sich die Beiden und marschierten langsam von dannen. Selbst aus der Entfernung war noch das eine oder andere Kopfschütteln zu erkennen.

5 Gedanken zu „Beim Cachen trifft man seltsame Leute

  1. Ich dachte zunächst, dass Du andere (Geo-) Cacher meintest 😉
    So seltsam finde ich die beiden älteren Mitmenschen nicht, die wunderten sich einfach nur, warum da ständig Leute ins Gebüsch gehen. Nicht verwunderlich ist, dass es immer einen gewissen Prozentsatz von Cachern gibt, die ohne Rücksicht auf Verluste und Unauffälligkeit vorgehen.
    Etwas verwundert bin ich darüber, dass Du von „Gestammel“ sprichst, nach Deiner Beschreibung waren die beiden Menschen einfach in schlechter körperlicher Verfassung, die stammelten nicht, die hatten einfach Atemprobleme.

    • Ich glaube nicht, dass die beiden Atemprobleme hatten, rein von der Konstitution her waren beide fit.

      Es waren eher diese Wortfindungsschwierigkeiten, die die meisten übermannen, wenn sie in einer für sie vermeintlich unangenehmen Situation „ertappt“ werden.

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