Ihr nehmt doch alle Drogen…

Gestern Abend auf einer späten Tradirunde kam ich an einem an eine Laterne magnetisierten Petling mitten in einem Wohngebiet vorbei. Auf Grund der fortgeschrittenen Stunde waren die meisten Fenster schon dunkel und die Straßen menschenleer. Ich kam mir völlig unbeobachtet vor.

Die Dose wurde schnell geborgen, um meine Signatur ins Logbuch einzutragen. Ich hielt gerade das offene Röhrchen in der Hand und war gerade ganz behutsam das leicht feuchte Logsheet wieder am verpacken, als plötzlich wenige Meter entfernt eine Haustür geöffnet wurde.

Ein Lichtschein traf mich und eine laute Stimme rief: „He, Sie, was machen Sie da an der Laterne?“

Ich drehte mich um, rief, „Ich komme rüber und erkläre es Ihnen.“ Auf den wenigen Metern Weg schossen mir hunderte von Ausreden durch den Kopf, doch da ich sicher war, dass der gute Mann, der zu der Stimme gehörte, spätestens, wenn ich weg bin, genau untersuchen würde, was ich dort getan hatte, wollte ich Ihm die Wahrheit erzählen. Diese hätte er vermutlich so, oder so herausgefunden, und so konnte ich vielleicht einigen Vorurteilen vorbeugen.

Ich ging also zu der Tür und dort stand im Lichtschein seines Flures ein älterer Herr, den man vom Aussehen her gemeinhin in die Kategorie „Rüstige Rentner“ einsortieren würde, also geschätzt locker mal doppelt so alt, wie meiner einer. Ihn also wollte ich in unser „geheimes“ Hobby einweihen, welches seit wenigen Tagen auch genau vor seiner Haustür stattfindet.

Ich fragte Ihn, ob er schon einmal etwas von Geocaching, der Schnitzeljagt mit Hilfe von GPS-Signalen gehört habe. Selbst in der spärlichen Beleuchtung des Hausflures war zu erkennen, wie der arme Mann aschfahl wurde. Er schluckte, schüttelte den Kopf und brachte heiser hervor „Doch nicht hier“. Einen Augenblick später hatte er sich gesammelt und sagte: „Das habe ich letzte Woche erst im Fernsehen gesehen. Das sind doch diese Drogenverstecke.“

Nun schluckte ich, er hatte vermutlich auch die Folge von „Der letzte Bulle“ gesehen, in der es ums Geocachen geht. Da er völlig verunsichert war und offensichtlich nur noch die Assoziation „Drogen“ zum Thema „Geocaching“ hatte und definitiv etwas gegen ein Drogenversteck vor seiner Haustür einzuwenden hatte, beschloss ich, ihm mehr von unserem Hobby zu erzählen.

Dass wir bei unserem Spiel Regeln haben, welche verbieten, dass verbotene Gegenstände, also auch Drogen jeglicher Art,  in einem Geocache versteckt werde, beruhigte Ihn schon etwas. Als ich Ihm erzählte, wie viele Geocaches in Deutschland versteckt sind, und wie groß die deutsche Geocaching-Community ist, war er erstaunt. Als ich Ihm dann noch von einigen Wandermultis und Geocaches, bei denen tatsächlich der Ort des Versteckes im Vordergrund steht erzählte, war er schon fast begeistert, da er selber gerne an schönen Orten wandert und die Sorge um das „Drogenversteck“ war wie weggeblasen.

Für den Fall, dass er sich weiter mit den Geocachen beschäftigen möchte, habe ich Ihm meine Kontaktdaten gegeben.

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