Konsequenz und Konsequenzen – Interview zur Archivierung von „Aqua Fun“ (GC2VWYT)

Aqua_funCzerkus hat im Rahmen des Events ART 2012 in der Städteregion Aachen einen seiner Caches („Aqua Fun“ – GC2VWYT) archiviert und damit einen Wirbel ausgelöst, den es sonst höchstens dann gibt, wenn Reviewer eine Dose ins Archiv schicken. Nachdem Czerkus in einem Gastbeitrag auf Umweltcacher über die Archivierung von „Aqua Fun“ geschrieben hat, habe ich Czerkus getroffen und ein Interview über seine Beweggründe und dessen Folgen mit ihm geführt.


DasLangeSuchen:
„Hallo Czerkus. Im Rahmen des Events „ART 2012“ hast du einen deiner Caches archiviert. Kannst du uns nochmal kurz erzählen, wie es dazu gekommen ist?“ 

Czerkus:
„Gern. Anfang Mai legte ich in Eschweiler zwei Caches aus. Einen davon im Wald. Dass dieser Teil des Waldes in einem Naturschutzgebiet liegt, wusste ich vor Ort nicht. Der zuständige Reviewer hat mich allerdings darauf hingewiesen. Ich versicherte dann, dass man die Wege nicht verlassen müsste, um zum Cache zu gelangen und nahm diesen Hinweis auch ins Listing auf. Aber das war eben nur die halbe Wahrheit…“

 

DasLangeSuchen:
„Okay, dann sag uns doch mal, wie die ganze Wahrheit lautet!“ 

Czerkus:
„Ganz einfach. Bis in die unmittelbare Nähe des Caches kam man über die offiziellen Wege. Die letzten 15 Meter musste man über ein ausgetrocknetes Bachbett zu einem alten Überlaufschutz. Dort war nach meiner Recherche früher ein Löschteich und wenn der voll war, kam dieser nach oben gezogene Brunnen zum Einsatz. Dort stürzte das Wasser hinab, um eine Überschwemmung zu verhindern.“ 

 

DasLangeSuchen:
„Aha. Aber wieso hast du dort einen Cache ausgelegt. Kanntest du die Guidelines nicht oder waren sie dir egal?“ 

Czerkus:
„Klar kannte ich die Guidelines und egal waren sie mir auch nicht. Ich würde sagen, rückblickend war der Reiz diesen kleinen Lostplace zu bedosen größer, als die Vernunft und die Spielregeln. Caches an x-beliebigen Orten sind nicht so mein Ding. Die mache ich schon mal, würde sie aber nicht auslegen. Und tolle Locations sind eben selten. Hier war eine und ich wollte sie bedosen. Punkt.“ 

 

DasLangeSuchen:
„Zweifel hattest du keine, ob das alles so seine Richtigkeit hat?“ 

Czerkus:
„Naja, ein bißchen natürlich schon. Aber die konnte ich mir gut –ich nenne es mal- wegargumentieren. Es ist ja nicht so, dass mir die Natur egal wäre. Auch da schon nicht. Ich habe vor Ort die Einschätzung getroffen, dass die paar Meter ab vom Weg über das ausgetrocknete Bachbett nicht besonders schädlich für die Pflanzen sind. Da standen höchstens ein paar Brennesseln rum. Außerdem habe ich den Cache extra nur für Premium Mitglieder sichtbar gemacht und ihn von der Geländewertung auf T-5 gesetzt, obwohl es T-4,5 sicher auch getan hätte. Ich wollte dadurch verhindern dass besonders viele Leute den Cache angehen.“

 

DasLangeSuchen:
War das denn so? Und was haben die Cacher in ihren Logs zu der Location geschrieben? 

Czerkus:
„Die waren ganz angetan. Meistens gab es Lob für die schöne Location oder die witzige Idee. Einer hat in seinem Log erwähnt, dass er auf dem Weg zum Brunnen einem Wildschein begegnet ist. Das hat mir ein wenig zu denken gegeben.“

 

DasLangeSuchen:
„War das der Auslöser dafür, dass du den Cache ins Archiv geschickt hast?“

Czerkus:
„Ich würde sagen, den Auslöser hat es nicht gegeben. Es war eher die Summe von Gedanken und Erfahrungen, die ich in 2012 gemacht habe. Dabei ging es um die Konfliktfelder zwischen Geocaching und anderen Gruppen, die sich im Wald aufhalten –also Jäger, Förster, usw. Auch Naturschutz spielte dabei eine Rolle. Den fand ich grundsätzlich immer schon wichtig, hab` ihn aber nie mit Geocaching in einen Kontext gestellt. Das hat sich halt geändert.

Es ist ein Prozess, der da stattgefunden hat und aus dem ich irgendwann eine Konsequenz ziehen musste. Den Cache (und mittlerweile einen weiteren) zu archivieren war ja nur der nach außen hin sichtbare Teil dieser Konsequenz. Im Kern geht es um Glaubwürdigkeit. Ich kann mich nicht bei Events hinstellen und mit anderen diskutieren, dass wir die Eigenverantwortung beim Cachen ernst nehmen sollten, wenn ich selbst solche Dosen ausliegen habe.“

 

DasLangeSuchen:
„Warum hast du die Archivierung mit dem Event ART 2012 verbunden?“ 

Czerkus:
„Weil es die passende Gelegenheit war. Es ist mir ja nicht leicht gefallen. Immerhin ist es eine sehr schöne Location und ein witziger Cache. Beim Event gab es die Möglichkeit, den Stadtwald mit der zuständigen Revierförsterin zu begehen. Ich wollte die Lage des Caches mit ihr persönlich klären. Hätte sie keinerlei Bedenken gehabt und ihr uneingeschränktes OK gegeben, wäre der Cache liegengeblieben. Aber da war eben der Wunsch Vater des Gedanken. Jedenfalls konnte sie das nicht und ich holte die Dose aus ihrem Versteck.“

 

DasLangeSuchen:
„Wie haben denn die anderen Event-Teilnehmer auf diese Aktion reagiert?“ 

Czerkus:
„Alle die mit im Wald gewesen sind, fanden das gut oder zumindest konsequent. Die hatten ja auch unmittelbar mitbekommen, wie das zustande gekommen war. In der Waldschule (Eventlocation) wurde ich mehrfach auf meine Dose angesprochen. Da sie in eine Taucherflosse eingebaut war, ist das nicht so verwunderlich. Ich erklärte meine Gründe und habe die Cacher eingeladen, dem Cache quasi die letzte Ehre zu erweisen: wer wollte durfte sich noch ins Logbuch eintragen.“

 

DasLangeSuchen:
„Diese Geschichte ist aber durchaus auf Kritik gestoßen, oder?“ 

Czerkus:
„Auf dem Event selber nicht. Jedenfalls hat mich niemand angesprochen und mir gesagt dass er es falsch findet. Weder die Archivierung noch die Logerlaubnis außerhalb der ursprünglichen Location. Die Anfeindungen kamen dann erst später.“ 

 

DasLangeSuchen:
„Anfeindungen? Sozusagen ein Shitsorm? Wie sah das aus?“ 

Czerkus:
„Ein kleiner Shitstorm vielleicht. Es fing damit an, dass ein Attendee den Cache kurz vor der Archivierung mehrmals mit `NEIN DANKE !!!!!` geloggt hatte. Niemand wurde von mir genötigt, den Cache als Fund zu loggen. Also löschte ich die Logs und schrieb den Betreffenden zwei Mal persönlich an. Sein `NEIN DANKE` erschien mir als einfache Provo, mehr nicht.

Also habe ich ihn gebeten, seine Ablehnung etwas zu begründen, dann wäre das für mich in Ordnung. Geantwortet hat er mir nicht, dafür aber seinen gelöschten Logeintrag wiederholt. Darum habe ich in meinem ausführlichen Archivierungslog darum gebeten, das Listing für weitere Beiträge sperren zu lassen. Ich hatte halt kein Bock dass mein Listing zum Diskussionsforum wird oder weiterhin für Provokationen herhalten sollte.“

 

DasLangeSuchen:
„Aber damit war die Geschichte ja noch nicht beendet, oder?“ 

Czerkus:
„Nö. Das war der Auftakt. Der betreffende Cacher hat sich dann erst mal bei Facebook ausgekotzt und mich diskreditiert. Er schreibt dort unter anderem, dass ich mich für die Archivierung von der „Pseudo-Naturfreunde-Lobby“ abfeiern ließe und aufkommende Kritik zensieren würde.

Meine Sichtweise ist eine andere. Hätte er den Dialog bzw. die Auseinandersetzung mit mir gesucht, hätte er mich auf dem Event ansprechen oder auf meine Mails antworten können. Beides hat er nicht getan. Da bleibt bei mir persönlich der Eindruck, dass es ihm im Prinzip nur um eine fehlende Bühne zur Selbstdarstellung geht und das tut mir dann leid. Aber dafür stehe ich nicht zur Verfügung.“

 

DasLangeSuchen:
„Wie hast du dazu denn Stellung genommen?“

Czerkus:
„Bei FB gar nicht. Da habe ich keinen Account. Das macht die Sache natürlich doppelt unangenehm, wenn man irgendwo schlechtgemacht wird und kann darauf gar nicht reagieren. Immerhin wurde ich von dritte Seite überhaupt darüber in Kenntnis gesetzt. So kann ich wenigstens antworten, wenn mich jemand darauf anspricht.“

 

DasLangeSuchen:
„Im Grünen Forum hast du dich ja geäußert. Dort hast du als `Streber` einen eigenen Thread gewidmet bekommen. Was genau wurde dir dort vorgeworfen?“ 

Czerkus:
„Der Reviewer eigengott hatte meinen Archivierungslog bei Twitter verlinkt und gepostet, dass man nicht warten müsse, bis der eigene Cache gemeldet wird, sondern man könne auch selbst Verantwortung übernehmen. Ich fand diese Verbreitung ganz gut, weil ich mich ja um eine sehr ausführliche inhaltliche Begründung bemüht hatte.

Das hat offenbar ein paar Leute anders gesehen. Sie hielten das für Strebertum. Das hätten die mal einem meiner Lehrer früher erzählen sollen… (lacht). Manche fanden meinen Archivierungslog melodramatisch. Das teile ich sogar ein wenig. Es war einer meiner Lieblingscaches. Der Abschied fiel mir schwer und spiegelt sich entsprechend wider. Als Held fühle ich mich deshalb noch lange nicht. Ich habe ja lediglich einen Fehler behoben, den ich gemacht habe. Dass das solche Konsequenzen nach sich zieht, hätte ich nicht erwartet.“

 

DasLangeSuchen:
„Das klingt so, als würdest du es in der Form nicht wiederholen…“ 

Czerkus:
„Was jetzt? Einen meiner Caches archivieren? Habe ich doch schon. Der BADEME!STER (GC2X0C5) war auch nicht in Ordnung. Ich habe ihn ebenfalls abgebaut und `trockengelegt`. Und auch hier habe ich eine ausführliche Begründung geschrieben. Es hat halt nur nicht so die Runde gemacht. Aber so schlimm war es ja nun auch wieder nicht. Gerade in der Grünen Hölle war ich doch überrascht, wie wenig Zuspruch der Streber-Aufmacher bekam. Die meisten fanden ganz gut, dass der Schritt ausführlich begründet war. Vielleicht werden dadurch ein paar Cacher sensibilisiert, sich mehr Gedanken zu machen, als ich es seinerzeit getan habe.“ 

 

DasLangeSuchen:
„Ein versöhnliches Schlusswort. Vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch.“

Czerkus:
„Bitte gern. Sollte noch Fragen offen sein, kann man mich gerne über meinen GC-Account anfunken.“

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