Sind OpenStreetMap-Karten problematisch?

OSM-Mapping-FehlerOpenStreetMap ist eine freie Weltkarte, die nach dem Wikipedia-Prinzip von einer breiten Community gepflegt wird. Jeder kann und darf mitmachen und seinen Teil dazu mit beitragen. Nahezu alle Geocacher, die diesen Beitrag lesen werden, werden früher oder später einmal mit Karten aus dem bei OSM gesammelten Datenmaterial in Berührung gekommen sein, spätestens seitdem Groundspeak die Karten umgestellt hat.

Bisher habe ich, wie viele andere auch, die Karten von OSM favorisiert. Überwiegend gut gepflegt, in den meisten Gebieten ausreichend detailliert, teilweise gar besser als proprietäre Produkte namhafter Hersteller und sehr aktuell verfügbar.


Fehler in der Karte

Vor einiger Zeit habe ich schon einmal darüber geschrieben, welche Blüten zustande kommen, wenn Laien sich am Kartieren versuchen. Verständlich, dass so etwas passieren kann und solch offensichtliche Fehler werden von erfahrenen Mappern i.d.R. schnell behoben.

Problematisch wird es dann, wenn sich auf der Karte Fehler einschleichen, welche nicht so offensichtlich sind. Auf Grund meines Engagements habe ich in letzter Zeit häufiger Kontakt zu Muggel aus den Bereichen Jagd, Forst und Naturschutz. Mit einem Landschaftswart bin ich unter anderem auf das Thema Karten gekommen. Er hat sich ein Naturschutzgebiet, dass er betreut auf OSM angesehen und war sehr erstaunt, dort eine Vielzahl an „Wegen“ auf der Karte zu sehen, welche nicht offiziell ausgewiesen sind. Betroffen waren hier ca. 40% der in der Karte angezeigten Pfade. Nutzt man diese Wege, begeht man eine Ordnungswidrigkeit, obwohl sie in der OSM-Karte ausgewiesen sind.

Ein Fehler im System?

Diese Problematik erwächst systemisch aus dem OpenStreetMap-Prinzip. Es dürfen nur Informationen eingepflegt werden, die man entweder selbst vor Ort erhoben hat, oder für die man eine Lizenz besitzt, die das Einpflegen in OSM erlaubt. Problematisch wird dies im oben genannten Beispiel. Der Kartograph erhebt vor Ort die Daten zu einem Weg, kann dort aber nicht feststellen, dass er sich nicht auf einem offiziell ausgewiesenen Weg befindet, auf dem das Betreten erlaubt ist. Zwischen ungepflegtem Wanderweg und wildem Trampelpfad gibt es vor Ort oftmals kaum Unterscheidungsmöglichkeiten.

Normalerweise müsste er zusätzlich eine offizielle Wanderkarte des betreffenden Gebietes nutzen, um die offiziellen Wege, von Trampelpfaden, Wildwechseln, etc. zu unterschieden, was er jedoch nicht darf, da diese i.d.R. entsprechenden Copyright-Beschränkungen unterliegen, welche eine Nutzung für OSM nicht zulassen.

Vor diesem Hintergrund ist fatal, dass sich viele OSM’ler dieser Problematik nicht bewußt sind und „Ihre“ Karten auch noch auf diese Art und Weise vorstellen:

„Die Openstreetmap ist fast immer aktueller. Im Essener Stadtgebiet sind mittlerweile nahezu alle Wald-, Feld-, Rad- und Fußwege aufgenommen. Viele von denen werdet Ihr in den amtlichen Karten vergeblich suchen und z.B. in Google Maps überhaupt nicht finden. Und gerade das Waldwegenetz ist in den amtlichen Karten oft veraltet. Die Essener Wanderwege sind gewissermaßen „druckfrisch“ und alle im Jahr 2009 aufgenommen worden. Übrigens: Wenn die Wanderwege der Openstreetmap von denen der amtlichen Wanderkarten abweichen, vertraut ruhig der Openstreetmap.“
[…]
Wie tagge ich einen Pfad in einem NSG, der zwar verboten ist (weil „auf den Wegen bleiben“ und „betreten verboten“ Schilder), de-fakto aber häufig genutzt wird? Habe jetzt mal highway=path, access=no verwendet, aber stimmt das?
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Kann man als unverbindliche Empfehlung betrachten. Alles muss in die Karte rein

Tags, wie das „access=no“, wie im Beispiel oben, werden darüber hinaus nicht von allen Renderen, die Karten erstellen mit ausgewertet und damit können auch im Gegensatz zu amtlichen Karten Wege mit nicht zuverlässig gekennzeichnet werden, deren Nutzung untersagt ist.

Fazit: OpenStreetMap ist mit Vorsicht zu genießen

In das OSM-Datenmaterial gelangen Wege, deren Nutzung untersagt ist, ohne dass dies ersichtlich ist, da es sich nicht um ausgewiesene Wege handelt. Örtlich gibt es eine erhebliche Fehlerquote. Da die OSM-Communty keinen Einfluss darauf hat, wie die Karten letztendlich dargestellt werden, ist nicht zu ermitteln, ob und wie solche Wege letztlich dem Nutzer angezeigt werden.

Zusätzlich stelle ich mir gerade die Frage, wie man das Wegegebot in Naturschutzgebieten beim Geocachen befolgen soll, wenn die Karte keine zuverlässige Informationsquelle mehr darstellt.

2 Gedanken zu „Sind OpenStreetMap-Karten problematisch?

  1. Es ist ja nun eine ganze Zeit ins Land gegangen, konntest du da deine Skepsis gegenüber OSM ablegen, oder überwiegt deiner Meinung nach immernoch (subtil) falsche Informationen? :-/

    • Zumindest bei den Renderer ist die Situation mMn besser geworden und die meisten unterstützen nun access=no, private oder restrictive korrekt. Und vom Gefühl her wird mittlerweile auch die Qualität der Einträge besser, nachdem viele „grobe Arbeiten“ abgeschlossen sind. Trotzdem ist die Schlussfolgerung des Artikels noch berechtigt: sicher kann man sich nie sein. Aber genau dafür gibt es offizielle Wanderkarten 😉

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