Virtuelle Hexenjagd – Übers Ziel hinausgeschossen?

Durch einen Artikel bei JR bin ich auf den Thread im Grünen Forum aufmerksam geworden, der wie folgt startete:

Hallo!

Gibt es ausser mir noch weitere Betroffene?

Habe heute ne Abmahnung vom Anwalt eines Geocaching Shops (nicht vom geocachingshop!) erhalten. Mir wird gewerblicher Handel mit Coins unterstellt. Streitwert wurde mit 15000 Euro angegeben und ich soll die Kosten der Abmahnung von 755 Euro zahlen.

Dabei habe ich nur einen Teil meiner restlichen GeoFaex-Coins aus 2006 angeboten weil die Bucht grade ne Gebührenfrei-Aktion hatte und ich dringend Geld für ne Krebs-Operation für meinen Hund brauche […]


Der daraus resultierende Thread entwickelte innerhalb der letzten 5 Tage eine fast schon unheimliche Dynamik (240 Beiträge, über 12.500 Views), welche weit über das Forum hinaus hohe Wellen geschlagen hat. Es reichte von einer unglaublichen Hilfsbereitschaft für das Tier, über mehr oder weniger sachliche Lösungsansätze bis hin zu Hasstiraden und Boykottaufrufen gegenüber dem Webshop.

Glücklicherweise gab es dort inzwischen ein Happy End.

In den letzten Tagen habe ich den Thread verfolgt und konnte irgendwie beide Parteien verstehen.

Auf die Sichtweise kommt es an

Auf der einen Seite steht ein Geocacher, der aus der Not heraus einige sehr attraktive Geocoins auf Ebay verkauft. Darüber hinaus verkauft er noch ein paar weitere Waren innerhalb eines kurzen Zeitfensters. Da einige Auktionen ohne Gebot abgeschlossen werden, werden die nicht verkauften Waren umgehend wieder erneut eingestellt. Unglücklicher Weise lautet der Ebay-Name ähnlich wie der abmahnende Webshop.

Auf der anderen Seite steht ein Shopbetreiber eines Webshops, der sieht, dass ein mutmaßlicher Mitbewerber aktiv geworden ist und innerhalb kurzer Zeit eine Reihe an Waren anbietet, die zum Teil auch das eigene Produktspektrum tangieren. Auf Grund der hohen Anzahl an Auktionen wird eine gewerbliches Angebot vermutet, dass sich als Privatverkauf tarnt, um die Pflichten in Bezug auf Wiederrufsrecht und Gewährleistung zu unterlaufen und damit eine höhere Gewinnspanne zu erzielen. Und das unter einem Anbieternamen, welcher dem des Webshops zum Verwechseln ähnlich ist.

Shopbetreiber über das Ziel hinausgeschossen?

Über die Wahl der Waffen seitens des Webshops lässt sich sicherlich streiten, ist aber durchaus nachvollziehbar. Vielleicht wäre zunächst eine Email ohne Rechtsbeistand sinnvoller und zielführender gewesen, vielleicht wäre aber auch die Abmahnung durch einen Rechtsanwalt der richtige erste Schritt gewesen, wenn es sich tatsächlich um gewerblichen Handel gehandelt hätte.

Vorverurteilung und Hexenjagd

Neben Berichten über den Thread und die Sachlage in diversen Blogs hat es diesmal eine regelrechte Hexenjagd auf den betreffenden Webshop gegeben. Ohne abzuwarten, welchen Ausgang die Abmahnung für den verkaufenden Cacher haben wird, wurde eine gegen den Webshop gerichtete SEO-Kampagne gestartet.

geop_aufruf

Initiiert von einem Blog sollten weitere Blogger mit bestimmten Keywords auf eine bestimmte Seite verlinken. Mit entsprechenden Suchmaschinenoptimierung durch häufige Verlinkung erreicht man eine entsprechend gute Platzierung bei den gängigen Suchmaschinen.

geop_google

Inzwischen wurde der entsprechende Aufruf revidiert, aber noch sind die Auswirkungen in den Suchmaschinen zu sehen.

Bei allem Verständnis für die Sympathie gegenüber dem Abmahnopfer, ist man – meiner persönlcihen Meinung nach – an einigen Stellen mindestens genauso über das Ziel hinausgeschossen, wie der Webshopbetreiber.

Um es noch einmal zu betonen: Es hat inzwischen ein Happy End gegeben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.