Wie weit würdet Ihr gehen?

Seit einigen Wochen mache ich mir einige Gedanken darüber, wie weit ich bereit wäre, für einen Cache zu gehen. Welches Risiko würde ich eingehen, wie würde ich mich dazu hinreißen lassen, durch Gruppendynamik weiter zu gehen, als ich es mir alleine zutrauen würde?

Eigentlich ist dieses Thema für mich wieder ein wenig in den Hintergrund getreten, doch auf Grund eines schweren Unfalls auf einem Lost Place Geländes in Magdeburg(hier, hier), der in den Medien einem Geocacher zugeschrieben wird, gewinnt dieses Thema wieder an Aktualität.


Der Auslöser

Eigentlich hatte ich eine Randnotiz, die ich auf dem „8. ‚kleinen‘ Stammtisch in D-Gerresheim“ aufgeschnappt hatte. Dort ging es um die Tour von Czerkus und E-M zur ehemaligen Seilbahnstation „Funivia del Fürggen“ am Matterhorn (GC22223). Dieser Cache liegt im alpinen Gelände auf 3.492 Metern. Je nach Route muss ein ggf. Gletscher begangen werden und die eine oder andere kleine Klettereinlage in felsigem Gelände ist gefragt.

Am Rande bekam ich mit wie zwei Cacher schon Pläne schmiedeten: „Nächste Woche kaufen wir uns beim Globetrotter jeder ein paar Steigeisen, dann können wir über Karneval da runter fahren.“ Meine Frage, ob sie denn alpine Erfahrung hätten verneinten beide, aber probieren, wie weit sie kommen wollten sie auf jeden Fall.

Das zeigt, dass Material und Ausrüstung zwar schnell gekauft ist, doch eine wichtige Komponente wird leider vielfach vernachlässigt. Vieles kann man sich zwar schnell anlesen oder lernen, doch die Erfahrung, wie man sich unter bestimmten Voraussetzungen bestmöglich verhalten kann, muss man langsam sammeln und ausbauen. Nur dann kann man seine eigenen Grenzen mit einem kalkulierbaren Risiko verschieben.

Das Risiko

Gerade je komplexer die physischen und psychischen Herausforderungen für einen Geocache werden, desto schneller neigen viele dazu, ihr Können zu überschätzen. Gerade wenn es um solche vermeintlichen „Must Haves“ geht, scheint bei vielen eine objektive Risikoabschätzung kein Thema zu sein. Vielfach scheint ein „Ich will dahin. Ich muss diese Dose haben“ näher zu liegen, als die Option „Wir sind zwar 1.000 km für diese Dose gefahren, aber Abbrechen ist die beste Lösung.“

Sicher spielt dabei auch eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung, ob und wie man eine bestimmte Herausforderung angeht, dass man im Listing sieht, wer alles einen bestimmten Cache gemeistert hat. Zum einen hat man Gedanken im Hinterkopf, wie „Der hat das ja auch geschafft.“, als auch „Dort hat bisher kaum jemand versagt.“ Dazu kommt, gerade auch, wenn man im Team unterwegs ist, dass man die (Hemm-)Schwelle überwinden muss, sich und anderen eine Schwäche einzugestehen, die zu einem Scheitern führen kann.

Damit rückt die Option des DNF immer weiter in den Hintergrund. Dabei sollte man immer mit einkalkulieren, dass man ggf. schon Fehler gemacht hat, sich vielleicht nicht mehr auf der vom Owner vorgesehenen Route ist oder sich die äußeren Rahmenbedingungen geändert haben, so dass die weitere Suche ein hohes Risiko bergen kann.

Rechtzeitiger Abbruch

Je komplexer die Herausforderungen eines Caches sind, sollte man sich immer abwägen, bis zu welchem Punkt für einen persönlich ein sicherer Ausstieg möglich ist. Dies setzt jedoch voraus, dass man auf die wahrscheinlich zu erwartenden Gegebenheiten vorbereitet ist und die Risiken abschätzen kann, was wiederrum ein Mindestmaß an Erfahrung vorrausetzt.

Ich habe schon Kanuten gesehen, die die Hände über dem Kopf zusammenschlagen haben, als Geocacher mit einem Schlauchbot durch ein nicht ganz ungefährliches Gewässer gepaddelt sind, während an anderer Stelle ein Baumpfleger den Aufwand eines Cachers zum Besteigen eines Baumes mit redundanter Sicherung müde belächelt hat.

Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Risiken man bereit ist für einen Geocache einzugehen.

3 Gedanken zu „Wie weit würdet Ihr gehen?

  1. Im letzten Jahr stand ich vor einer Brücke in Hessen. Damals hatte nur ich eine vollständige Ausrüstung. Bei der Ausrüstung meines Sohnes fehlte ein genügend langes Seil. 170 km von zuhause viel die Entscheidung schwer es sein zu lassen. Mit nur einem Seil waren 50 m einfach zu riskant. Und von hier aus stört es mich auch gar nicht mehr es nicht versucht zu ahebn.

  2. Ich finde, Du stellst genau die richtigen Fragen! Gerade im alpinen Gelände reicht es nicht „nur“ gutes Material zu haben – man sollte neben der geeigneten Ausbildung auch die entsprechende Erfahrung mitbringen!

    Auch bei mir wurde schon gefragt, was brauche ich denn für Material – natürlich war ich hilfsbereit und habe versucht vernünftig zu antworten. Dein Artikel bringt mich da wieder zum Nachdenken…

    Die richtige Frage wäre gewesen, wie schaut das Gelände aus – danach ergibt sich das Material von selbst, wenn man sich denn damit auskennt!

    Gerade das Wetter sollte in den Alpen nicht unterschätzt werden – ich habe den Midelheimer Klettersteig schon mehrfach begangen, normalerweise benötige ich da zwischen 4 und 5 Stunden… einmal habe ich über 8 gebraucht, es gab einen Wetterumschwung mit zunächst Regen und dann Hagel… da wird es schnell eng mit den Sicherheitsreserven…

    Also meine Empfehlung vor solchen Unternehmungen wäre, macht beim DAV ein paar Kurse und eignet Euch bei geführten Touren die nötige Erfahrung an…

  3. „Gerade wenn es um solche vermeintlichen „Must Haves“ geht, scheint bei vielen eine objektive Risikoabschätzung kein Thema zu sein. Vielfach scheint ein „Ich will dahin. Ich muss diese Dose haben“ näher zu liegen, als die Option „Wir sind zwar 1.000 km für diese Dose gefahren, aber Abbrechen ist die beste Lösung.“ “

    Dieses Verhalten habe ich auch schon beobachtet und ich bin sehr froh, dass ich bislang resistent bin. Gerade diese Flut an Geocachern, die so viele Caches unbedingt machen wollen und werden, nimmt mir die Lust, so manch einen Cache zu suchen. Bestes Beispiel ist Prora: Einst ein Geheimtipp für LPC Liebhaber, dann kurz vorm Archive nochmal durchwandert wie beim SSV Shopping! Was hat das noch mit der Atmosphäre eines verlassenen Ortes zutun? Für mich kaum etwas… ich war sehr froh, den Cache weitaus früher gesucht zu haben. Und ich wäre auch ohne Punkt dankend nach Haus gefahren.

    Ein Glück, dass ich auch zufrieden bin, wenn sich die Landkreiskarte überhaupt ein bisschen einfärbt. Mir reicht auch ein Tradi mit geringem T und D, um zu sagen „Ich war da“ 😉

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