Fahrradpendler aus Leidenschaft

Seit März letzten Jahres habe ich eine neue Leidenschaft. Ich bin zwar schon früher gerne und viel mit dem Rad gefahren, aber nahezu täglich damit zu pendeln habe ich seit meiner Schulzeit nicht mehr gemacht. Damals waren es rund 5 Kilometer zur Schule und zurück, dann ggf. noch zu Freunden. Später kamen Auto, zeitweise Motorrad als primäre Fortbewegungsmittel ihren Stammplatz und das Rad kam nur noch in Notfällen zum Einsatz.

Früher habe ich Kollegen, die 6-8 Kilometer innerhalb von Köln mit dem Rad pendelten schon für fahrradverrückt gehalten und hätte mir nicht vorstellen können, dass es bei mir auch einmal soweit kommt.


Wie ich zum Fahrradpendeln im Kölner Norden gekommen bin

Seit 2005 war ich dann regelmäßig als Bahnpedler aus dem Kölner Umland zu meinem Arbeitgeber in Köln unterwegs.
Nach einem Arbeitgeberwechsel Anfang 2018 und einigem Frust, was die Zuverlässigkeit meiner Bahnverbindung angeht, habe ich dann im Frühjahr letzten Jahres nach Alternativen gesucht.

Ein Auto wäre zwar eine Option gewesen, aber verkehrsmäßig ist meine Strecke eine Katastrophe, da ich im Norden des Kölner Autobahnrings über die Leverkusener Rheinbrücke muss und damit eine sehr stauträchtige Strecke auf meinem Weg liegt.

Aber es sind ja „nur“ 20 Kilometer und so habe ich dann an einem schönen Frühlingstag -es war ein Freitag- im letzten Jahr, meinen angestaubten Drahtesel (ein fast 20 Jahre altes Trecking-Rad) aus dem Keller geholt, die Reifen aufgepumpt und die Kette gefettet und bin damit in die Bahn zum Arbeitsplatz eingestiegen. Nach Feierabend einmal kurz über meine eigene Naivität und die vor mir liegenden 20 Kilometer den Kopf geschüttelt, aber alles half nicht, irgendwie musste ich ja nach Hause.

Zugegeben, an diesem Freitag bin ich nach 1 1/2 Stunden mit brennenden Oberschenkeln zu Hause angekommen und hatte Schwierigkeiten, die Treppe rauf zu klettern. Dabei schwor ich mir fluchend: „Das machst Du nie wieder“.

Was soll ich sagen, montags stand ich dann wieder mit dem Rad am Bahnhof, die Oberschenkel waren nach zwei Tagen rest-muskelverkatert und ich hatte im Kopf, dass ich das Rad im Zweifel einfach irgendwo stehenlasse und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln weiterfahre. Ich habe es dann aber doch nach Hause geschafft und die Beine fühlten sich nicht mehr ganz so schwer an, wie noch einige Tage zuvor. Dafür war ich dann doch ziemlich stolz, diese Hürde geschafft zu haben.
So bin ich dann zunächst drei Mal in der Woche die rund 20 Kilometer mit dem Rad zurück gefahren und auch die Zeit für die Strecke wurde rasch besser.

Fahrradpendler im Kölner Norden - Am Rhein in Leverkusen
Fahrradpendler im Kölner Norden – Am Rhein in Leverkusen

Fahrradfahren als Alternative zur Bahn

Einige Wochen später, an einem Morgen Anfang Mai 2018 stand ich dann mal wieder mit dem Rad am Bahnhof meiner Heimatstadt, als es hieß „Auf Grund von Personen im Gleis ist der Zug auf unbestimmte Zeit verspätet“. Da so eine Meldung normalerweise nichts Gutes verheißt, wäre ich dann eigentlich auf den Bus umgestiegen und mit mehrfachem Umsteigen mit ca. 2:30 Stunden Reisezeit etwa 1 Stunde verspätet im Büro gewesen.

Aber ich hatte ja das Rad dabei…

…Wechselklamotten zwar nicht, aber da denkt man bei einer solchen Impulshandlung erst drüber nach, wenn man schweißgebadet im Büro aufschlägt.

Wie dem auch sei, war ich nach knapp über einer Stunde im Büro und war damit genauso schnell wie mit der Bahn, wenn sie planmäßig unterwegs gewesen wäre.

Gut, ich meine mir einzubilden, dass die Kollegen an diesem Tag froh waren, als ich wieder Feierabend hatte. Zumindest habe ich mich etwas unwohl gefühlt, den ganzen Tag in verschwitzten Klamotten im Büro zu sitzen. Abends habe ich dann aber schon auf dem Rückweg deutlich gespürt, dass ich 20 Extra-Kilometer in den Beinen habe, aber trotz des optimierungswürdigen Konzeptes hat es ganz gut funktioniert.

Inzwischen bin ich etwas geschickter, was Wechselklamotten beim Pendeln mit dem Fahrrad angeht und es ist mir meistens relativ egal, ob und wann die Bahn fährt, oder ob es sich mal wieder auf dem Kölner Autobahnring staut.

Wind und Wetter nehme ich, wie es kommt, einzig bei vereisten Straßen fahre ich nicht. Klar weiche ich ab und an dennoch auf die Öffentlichen Verkehrsmittel aus, aber meist nur aus Gründen, die ich nur begrenzt beeinflussen kann, z.B. wenn ich auswärtige Termine habe oder gesundheitlich angeschlagen bin.

Letzteres kommt aber im Vergleich zu früheren Zeiten deutlich seltener vor. Gerade im Winter schlage ich mich deutlich seltener mit Erkältungen rum, als dies noch zu Zeiten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Fall war.

Fahrradpendler im Kölner Norden - Morgenstimmung an der Wupper
Fahrradpendler im Kölner Norden – Morgenstimmung an der Wupper
Fahrradpendler im Kölner Norden - Raureif auf der Neulandbrücke in Leverkusen
Fahrradpendler im Kölner Norden – Raureif auf der Neulandbrücke in Leverkusen

Auch zeitlich hat sich etwas getan. Statt der ursprünglichen 1:30 Stunden pro Strecke brauche ich jetzt noch rund 45 Minuten mit meinem alten Treckingrad und bin damit schneller und zuverlässiger unterwegs als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Zusätzlich hat das Pendeln mit dem Fahrrad noch positive Auswirkungen auf mein allgemeines Wohlbefinden: Nach der Bewegung an der frischen Luft am Morgen komme ich viel wacher und frischer im Büro an, nachmittags lasse ich den Stress des Büroalltags viel schneller hinter mir.

Fahrrad als Alternative zum Auto

Dadurch, dass durch die regelmäßige längere Fahrradstrecke beim Pendeln in Büro, auch kürzere Strecken Ihren Schrecken verloren haben und das Auto zugunsten des Fahrrades deutlich häufiger auch für kürzere Strecken als Fortbewegungsmittel stehenbleibt. Mal eben nach Feierabend einen kurzen Umweg über die Kölner Innenstadt (+10 Kilometer), um noch eine Besorgung zu erledigen ist flott erledigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.